Eine hochmittelalterliche Kirchenstelle bei Brilon-Rösenbeck (Hochsauerlandkreis/NRW)

Lehrgrabung der Abteilung Archäologie des Mittelalters im Sommersemester 2003.

Bereits aus einem Luftbild des Jahres 1987 wusste man von der Existenz eines langrechteckigen Mauerzuges von ca. 10 x 20 m auf einem Feld nördlich zu Füßen der Burg Altenfels bei Brilon-Rösenbeck (Hochsauerlandkreis/NRW). Noch im Jahr 1989 wurde vom Westfälischen Museum für Archäologie, Amt für Bodendenkmalpflege (Dr. R. Bergmann), eine kleine Sondage durchgeführt, wobei man dicht unter der Oberfläche auf eine mit Kalkmörtel verfestigte Fundamentierung im Übergang zwischen Langhaus und Chor stieß.

Fundamente

Abb. 1: Luftbild der freigelegten Fundamente

Eine Freilegung des ganzen Fundaments unterblieb zunächst, bis nach einer geophysikalischen Oberflächenprospektion im Jahr 2002 durch einen Mitarbeiter des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen (Dr. H.G. Jansen) klar wurde, dass das Bodendenkmal von einer zunehmenden Zerstörung durch die Landwirtschaft bedroht ist. Daraufhin entschloss man sich zu einer Notuntersuchung des betreffenden Areals, welche aufgrund der engen Beziehungen des Fachreferats Mittelalter- und Neuzeitarchäologie des westfälischen Amtes für Bodendenkmalpflege zur Abteilung Archäologie des Mittelalters (Prof. Dr. B. Scholkmann) des Tübinger Instituts von letzterem in Form einer fünfwöchigen Lehrgrabung im Juli/August 2003 durchgeführt wurde (O. Goldstein).

Skelett

Abb. 2: Skelett in situ 

Bereits während der Baggerarbeiten stellte sich heraus, dass nur noch die untersten Fundamentlagen des Gebäudes vorhanden waren. Vor diesem Hintergrund entschloss man sich zu einer flächendeckenden Freilegung des Grundrisses. Diese erbrachte das bereits durch die vorausgegangenen Prospektionen vermutete langrechteckige Gebäude mit West-Ost-Orientierung und eingezogenem Annex im Osten. In der Folge legte man verschiedene Schnitte zur Klärung wichtiger Befunde und baugeschichtlicher Fragen an, wobei im südwestlichen Teil des Langhauses auch eine Innenbestattung angeschnitten wurde, welche die These eines Kirchengebäudes bestätigt. In dem gemauerten Kopfnischengrab entdeckte man ein vollständig erhaltenes Skelett mit körperparalleler Armhaltung und Blick nach Osten. Im Bereich der rechten Hand befand sich eine Silbermünze, welche um das Jahr 1100 zu datieren ist. Diese Zeitstellung deckt sich weitgehend mit der des ergrabenen Fundmaterials, wodurch eine Datierung des Kirchenbaus in das 11. Jahrhundert wahrscheinlich gemacht werden kann. Eine anthropologische Untersuchung des Skeletts steht bislang noch aus.

 

Auch die Frage nach dem Umfeld der Kirche ist zur Zeit noch nicht zu beantworten: Weder die geophysikalische Prospektion von 2002, noch eine großflächige Ergänzungsmessung im Jahr 2003 (Dr. H.G. Jansen) haben Hinweise auf einen Friedhof oder steinerne Hausfundamente erbracht. Wohl aber ergaben sich deutliche Indizien auf einen verschütteten Brunnen und Überreste von Töpfer- oder Schmelzöfen, die aber noch nicht näher untersucht werden konnten. Ferner können Holzbauten nicht ausgeschlossen werden.